Bis 13. Juni 2026, Gmundner Keramik Manufaktur
MADE IN GMUNDEN
Das Herzstück der Academy of Ceramics Gmunden (AoCG), ein gemeinsames Projekt von Gmundner Keramik und der OÖ Landes-Kultur GmbH, ist das Artists-in-Residence-Programm der AoCG. Internationale Künstler:innen erhalten Zugang zu den Werkstätten der Manufaktur, zur technischen Infrastruktur und zum Know-how der Keramiker:innen vor Ort. Dieser unmittelbare Austausch fördert nicht nur handwerkliche Innovation, sondern schafft auch einen fruchtbaren Dialog zwischen angewandter Kunst, freier künstlerischer Praxis und industrieller Produktion. Begleitende Ausstellungen und Diskursformate machen diesen Prozess sichtbar und öffentlich erfahrbar.
Die aktuelle Ausstellung zeigt die Arbeiten von fünf internationalen Künstler:innen – Chen-Hsiang Kao, Rosmarie Lukasser, Maryna Talutto, Helena Sekot und Charlotte Wiesmann –, die im Sommer 2025 sowohl in Gmunden als auch beim Austauschpartner, dem New Taipei City Yingge Ceramics Museum in Taiwan, gearbeitet haben. Damit erweitert die AoCG den Blick über Österreich hinaus und positioniert Gmunden als Knotenpunkt eines globalen keramischen Netzwerks.
Kuratiert von Genoveva Rückert, versteht sich „Made in Gmunden“ nicht als Leistungsschau, sondern als Momentaufnahme eines offenen Prozesses. Die Ausstellung macht sichtbar, wie sehr Keramik heute ein Medium des kulturellen Austauschs ist – sensibel für lokale Traditionen und zugleich offen für internationale Perspektiven. So wird deutlich: Gmundner Keramik bewahrt nicht nur ein Erbe, sondern gestaltet aktiv die Zukunft keramischer Kunst in Österreich und darüber hinaus.
Über die Künstler/innen
CHEN-HSIANG KAO
Chen-Hsiang (*1997 in Taiwan, lebt und arbeitet in Taiwan und Japan.) erweitert die Grenzen von Keramik und Performance und reflektiert mithilfe von Religion und Ritualen kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Seine Werke behandeln die Wechselwirkungen zwischen Land, Material, Körper, Menschen und Nation. Sie verbinden östliche und westliche Kontexte und reagieren auf politische Instabilität sowie kollektive Emotionen Taiwans.
Mit einer Performance machte der Künstler auf diese Situation aufmerksam und pilgerte mit seiner handgefertigten Mazu-Skulptur durch Linz zu drei Kunstinstitutionen. In Gmunden wurden Keramikgefäße zu einer tragbaren Rüstung transformiert, die Schutz, Stärke und Verletzlichkeit des Materials thematisiert.
Über die Künstler/innen
ROSMARIE LUKASSER
Rosmarie Lukassers (*1981 in Lienz, Österreich, lebt und arbeitet in Wien und Oberösterreich.) Arbeit erforscht die Strukturen und Mechanismen der digitalen Welt – nicht nur aus technischer Perspektive, sondern hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf menschliches Verhalten, den Körper und die Selbstwahrnehmung. Sie nutzt ein breites Spektrum an Medien, von Skulptur über Performances und Aktionen bis hin zu Zeichnungen und Lichtarbeiten, um die Komplexität des Themas „…bin im Netz“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten.
In Gmunden entstanden ausgehend von ihren charakteristischen Gipsfiguren mit LED-Beleuchtung neue lebensgroße keramische Figuren aus Paper Clay – einer Mischung aus Terracotta und Papier –, die an den Schnittstellen zwischen Mensch und digitalem Device an Hand und Ohren leuchten.
Über die Künstler/innen
MARYNA TALUTTO
Maryna Talutto (*1982 in Kyiv/UA, lebt und arbeitet in Kyiv.) arbeitet mit Medien wie Installation, Grafik, Malerei und Keramik und setzt sich in ihrem aktuellen Werk mit den traumatischen Erfahrungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auseinander. In der Serie „Simple Things“ greift sie vertraute Motive des häuslichen Alltags – Tisch, Fenster, Couch – auf. Das Alltägliche wird dabei zum Anker mentaler Stabilität und zur Überlebensstrategie vieler Frauen.
Ihre keramischen Arbeiten erweitern die Serie um eine taktile Ebene. An Glühbirnen erinnernde Objekte verweisen auf die allgegenwärtigen Stromausfälle und stehen zugleich für Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit. Das Schwarzweiß der Marker-Grafiken setzt sich in einem keramischen Relief aus einzelnen Fliesen fort.
Über die Künstler/innen
HELENA SEKOT
In ihrer künstlerischen Praxis fordert Helena Sekot (* 1996, Weinheim/DE, lebt und arbeitet in Linz.) Materialien heraus, um Fragen von Beständigkeit und Vergänglichkeit zu untersuchen. Ihre skulpturalen Arbeiten in Keramik und Glas werden häufig durch Klang, Fotografie und Video ergänzt und basieren auf der genauen Beobachtung ihrer natürlichen Umgebung.
In der Gmundner Keramik entwickelte sie skulpturale Serien zu Moorlandschaften, die die Fragilität und Austrocknung dieser Ökosysteme auf keramische Weise verarbeiten und zugleich auf die ökologische Verbundenheit von Mensch und Moor aufmerksam machen.
Über die Künstler/innen
CHARLOTTE WIESMANN
Charlotte Wiesmann ( *1961 Grafenau/DE, lebt und arbeitet in Linz.) arbeitet mit Keramik, Skulptur, Installation, Zeichnung, Fotografie und Video und untersucht Raum als Ort des Denkens und der Bewegung. Ihre Praxis reflektiert das Kunststudio sowie die Systeme von Kunst und keramischer Produktion und bewegt sich zwischen Leichtigkeit, Präsenz, Abwesenheit und den Grenzen des Möglichen.
Während ihrer Residency am New Taipei City Yingge Ceramics Museum in Taiwan setzte sie sich mit dem Schildkrötenpanzer als rituellem Orakel und frühem Schriftmedium auseinander. Die Interpretation hitzebedingter Rissbildungen des Plastrons führte zu einer experimentellen Befragung der Keramik. Aus den für Wiesmann charakteristischen handgefertigten Tonrollen entstanden Keramikplastiken, in denen sich innerhalb der Umrissform des Plastrons Linien zu schriftähnliche Zeichen verdichten.